|
Wege der Kulturfinanzierung In den vergangenen Wochen fanden verschiedene Diskussionen zwischen Vertretern der Stadt, Vertretern kultureller Einrichtungen und Bürgern von Chemnitz, zum Thema Kulturfinanzierung statt. Einen kleinen Überblick über Inhalte und Ergebnisse der Diskussionen soll dieser Bericht liefern. Es muss weiter davon ausgegangen werden, dass sich die angespannte finanzielle Lage in den nächsten Jahren nicht bessert. Eine Diskussion muss also bei der Frage ansetzen, wie mit beschränkten Mitteln die Qualität der Kultur erhalten werden kann. Stichwort Qualität: Kulturelle Einrichtungen sollten zukünftig genau überprüft werden, ob sie die qualitativen Standards einer möglichen Förderung erfüllen. Wie aber kann Qualität bemessen werden? Wichtig ist hier, dass die jeweiligen kulturellen Einrichtungen, Vereine oder Projekte integraler Bestandteil einer Gesamtkultur sind und dem Bildungsbereich offen gegenüberstehen. In diesem Zusammenhang ist von einem Qualitätssiegel die Rede, welches kulturelle Einrichtungen zukünftig erwerben können. In weiteren Diskussionen wurde über die Alternaiven zur Kulturfinanzierung nachgedacht. Kulturelle Vereine sollten sich zusätzlich nach starken Partnern bei den Unternehmen umsehen und eine Zusammenarbeit anstreben. Dies läge sicher auch im Interesse der Unternehmen selbst. Über eine noch stärkere Einbeziehung des Ehrenamtes in die kulturelle Arbeit ist ebenfalls nachzudenken. Somit können zusätzlich Partner unter den Bürgern gefunden werden. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass ehrenamtliche Mitarbeiter keine pädagogisch ausgebildeten Fachkräfte ersetzen können, besonders bei Vereinen, deren Ziele eng mit Integration und Bildung verknüpft sind. Interessant für Chemnitz ist ein Projekt zur Kulturfinanzierung, welches in Weimar im Jahre 2004 eingeführt wurde. Kunst und Kultur wird dort über eine Kulturförderabgabe finanziert, was bedeutet, dass für Übernachtungen (in Hotels und Pensionen) ein kleiner Aufschlag pro Zimmer fällig wird. Ein weiterer Aufschlag wird auf Eintrittsgelder öffentlicher Veranstaltungen erhoben. Ein jeder, der nach Weimar fährt, dort übernachtet und/oder einzelne Veranstaltungen besucht, unterstützt gleichzeitig das kulturelle Werk und sorgt somit dafür, dass es noch lange erhalten wird. Die Kulturförderabgabe wurde von den Bürgern Weimars gut angenommen und die Erträge sind Jahr für Jahr gestiegen. In wie weit lässt sich ein solches Projekt auf Chemnitz übertragen? In Chemnitz ist das Modell Weimar nur bedingt umsetzbar. Gäste, die nach Chemnitz reisen, kommen vorwiegend aus geschäftlichen Gründen. Eine Kulturförderabgabe ist also nur über Eintrittsgelder sinnvoll. Die Abgabe sollte nicht nur Besucher betreffen, sondern auch die Chemnitzer selbst. Ein jeder kann sich somit am Erhalt der Kultur beteiligen. Die Zukunft wird zeigen ob und in wie weit dieses Projekt in Chemnitz umgesetzt wird. Nicht zuletzt sollte an dieser Stelle hinterfragt werden, warum es Chemnitz, trotz verschiedener Besuchermagnete, noch nicht gelungen ist, ein eigenes kulturelles Profil zu entwickeln. Auch ist die Frage berechtigt, wo das gewisse Flair geblieben ist, welches auch als Lebensgefühl bezeichnet werden kann. Trotz vieler guter Projekte kann man ein solches Gefühl kaum erschnuppern. Versuche der Entwicklung einer Subkultur, beispielsweise mit dem Brühl, als idealer Standort, sind im Keim erstickt oder werden anderweitig verhindert (Exca). Damit sind wir von den LINKEN nicht einverstanden. Wir werden weiterhin die Bildung einer Subkultur in Chemnitz unterstützen, damit auch in Chemnitz ein Lebensgefühl zu spüren ist! Yvonne Weber Kulturpolitische Sprecherin
Foto: Soulexpression 2009, ein internationaler Wettbewerb im Kraftwerk, der seit vielen Jahren ausgetragen wird.
|