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Kultur bewahreroter_turm2n bedeutet Zukunft sichern
„Wer nicht von dreitausend Jahren, sich weiß Rechenschaft zu geben, Bleibt im Dunkeln unerfahren, Mag von Tag zu Tage leben.“ Dies schrieb einst Goethe. Heute ist das Zitat aktueller als damals. Unsere Kultur ist in der Krise. Das was unsere Vorfahren in Jahrtausenden erschaffen haben, ist in Gefahr.

Wie können wir uns eine „schöne, neue Welt“ ohne Kultur vorstellen?

Beginnen wir bei den Büchern. Zum Teil verschwinden sie, Klassiker werden kaum gelesen. In der Freizeit dominieren andere Instrumente, wie Fernsehapparat und PC. Die Geräte bieten genügend Zerstreuung und sind zudem noch Zeitfresser. Sie gaukeln besonders Kindern vor, was sie unbedingt besitzen sollten, welches Computerspiel unabdingbar ist und welche Kleidungsmarke getragen wird.

Ideale verschieben sich in die Virtualität oder erwachen in zweifelhaften Pseudostars. Im Unterricht werden aber dennoch solide Kenntnisse und Fähigkeiten erwartet. Der Arbeitsmarkt schreit nach immer höheren Vorraussetzungen für einfache Berufe. Folge ist, dass der Druck steigt. Wie sollen Kinder und Jugendliche wissen, dass es wichtig ist über einen guten Abschluss und eine solide Allgemeinbildung zu verfügen, wenn ihnen durch die Medien das Gegenteil vorgegaukelt wird? Warum lernen, wenn jeder innerhalb kürzester Zeit zu Deutschlands neuem Superstar avancieren kann? Es kommt somit zur Druckentladung in Form von Amokläufen, Alkoholexzessen und gehäuftem Drogenkonsum. Es fehlt vielfach der praktische Bezug des gelehrten Stoffes. Wie Botanik verstehen, wenn die Freizeit lieber beim zocken verbracht wird? Wie Musik verstehen, wenn kein klassisches Konzert besucht wird oder besucht werden kann? Wie die Geschichte verstehen, wenn kein Buch gelesen wird? All diese Dinge zeigen, wie wichtig es ist, Kultur zu erhalten. Aber Kultur muss nicht nur erhalten werden, sondern auch gefördert. Bei den nahenden Kürzungen darf es zu keinen weiteren Einschnitten im kulturellen Bereich kommen. Daher muss es zum Grundverständnis gehören, dass Kultur kein Luxus ist, sondern eine Selbstverständlichkeit. Der Zugang zu Kultur muss für alle gewährleistet sein durch ausreichend kulturelle Angebote in unserer Stadt und eine preisgünstige oder kostenlose Nutzung derselben. Das muss eng mit Bildungssystem und Elternhaus verknüpft sein.

Kultur ist auch keine Ware und somit Gebrauchsgegenstand für begüterte Menschen, sondern muss eine fest verankerte gesellschaftliche Notwendigkeit bleiben.

Ohne das Wissen um unsere kulturellen Wurzeln, die ein notwendiger Bestandteil der Identität eines jeden Menschen sind, verkommt das Leben zu einer Aneinanderreihung von flüchtigen Augenblicken, die jegliches Denken unterdrücken oder gar überflüssig machen.

Aufgabe unserer Politik und des Volkes muss es sein, sich für den Erhalt kultureller Einrichtungen stark zu machen.

Kultur muss stärker werden als Gegengewicht zu medialer Verdummung. Das setzt voraus, dass Gelder der Kultur zu Gute kommen und nicht durch nimmersatte Banken verzockt werden oder in insolvente Autokonzerne gepumpt werden, wie Tropfen auf heiße Steine.

Es muss mit allen Mitteln vermieden werden, dass die folgende Generation zu einer Masse von widerstandslosen Konsumenten herangezogen wird.

Investitionen in Kultur sind Investitionen in die Zukunft!

 

Stadträtin Yvonne Weber
Kulturpolitische Sprecherin

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